Hormonyoga – was ist das eigentlich?

Frau im Savasana mit vielen Gedanken, viel Stress und Unruhe, bereit für Hormonyoga

Psychosoziale Beraterin, Yogalehrerin, Gesundheitswissenschaftlerin und Mama.

Ich schreibe über das Leben – über die kleinen und großen Verbindungen zwischen Körper und Geist, über Erfahrung, Entwicklung, Veränderung und Entscheidungen im Leben.

Mit Klarheit, Tiefe und einem Blick auf das, was uns im Alltag trägt.

Ich bin Tina.

Um ehrlich zu sein habe ich mich um meine Hormone lange recht wenig gekümmert. Bis meine Hormone beschlossen, meine Aufmerksamkeit einzufordern.

Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und die ersten Zeichen der Perimenopause brachten mich schließlich zum Hormonyoga.

In der ersten Not griff ich nach jedem Strohhalm. Ich probierte pflanzliche Präparate aus, später auch bioidentische Hormone. Aber wirklich besser wurde es dadurch zunächst nicht.

Und wie so oft im Leben begegnete mir das Hormonyoga genau zur richtigen Zeit.

Vor 10 Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einmal Hormonyoga machen würde. Ich hatte das Wort unter all den anderen Trends irgendwo zwischen Bieryoga und Ziegenyoga eingeordnet. Und jetzt bin ich Hormonyoga-Lehrerin!

Was ist Hormonyoga eigentlich?

Wenn heute von Hormonyoga die Rede ist, ist meistens die “Hormonal Yoga Therapy” nach der brasilianischen Psychologin Dinah Rodrigues gemeint.

Sie entwickelte in den 1980er-Jahren eine feste Übungsreihe, die Elemente aus Hatha Yoga, Kundalini Yoga, Atemtechniken und Visualisierungen miteinander verbindet. Dinah Rodrigues ist eine Pionierin. Ihr Lebenswerk ist unter anderem so kostbar, weil es speziell für Frauen und unsere zyklischen Körper entwickelt wurde.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Eierstöcke, die Schilddrüse und die Hypophyse – also Drüsen, die eine wichtige Rolle für unseren Hormonhaushalt spielen.

Die Idee dahinter ist, die körpereigenen Regulationsprozesse zu unterstützen. Und zwar nicht mit der Erwartung einer schnellen Lösung wie durch eine Pille etwa, sondern durch stetiges Üben über einen längeren Zeitraum.

Funktioniert Hormonyoga wirklich?

Das ist wahrscheinlich die erste Frage, die viele stellen.

Und die vorsichtige Antwort lautet: Ja, es kann.

Im Grunde genommen wird beim Hormonyoga mit Energielenkung gearbeitet. Das heißt, die Hormondrüsen werden gezielt angesteuert und durch Atemtechniken, Muskelaktivierung und Visualisierung “aktiviert”. 

Die Wirkung entfaltet sich – wenn überhaupt – nicht über Nacht, sondern durch regelmäßiges Üben über einen längeren Zeitraum. Viele Frauen berichten von positiven Veränderungen, insbesondere in den Wechseljahren oder bei hormonellen Beschwerden.

Was ich bei mir eindeutig bemerke: Die intensiven Atemübungen aktivieren meine Bauchregion, und das tut spürbar gut.

Warum mich Hormonyoga so begeistert

Jede Phase hat ihre Bedürfnisse, und diese dürfen auch verstanden werden. 

Hormonyoga kam, wie der Zufall will, genau zur rechten Zeit in mein Leben. Und ich bin so begeistert davon, dass ich gleich die Hormonyoga-Lehrerinnen Ausbildung gemacht habe, um diese Kunst auch weiterzugeben. Hormonyoga hat mich wieder daran erinnert, dass wir nicht einem körperlichen Ideal nachjagen, sondern auf Bewusstheit und Körpergefühl bauen.

In meinem Yoga für hormonelle Balance gehe ich stark auf das Thema Nervensystem ein. Denn Hormone können nicht isoliert betrachtet werden. Unser Hormonsystem, unser Nervensystem und unser Immunsystem arbeiten eng zusammen. 

Dauerstress wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. Negativ. Und zwar sehr negativ. Das heißt, ein ausgewogenes Hormonyoga schaut auch auf das Bedürfnis nach Ruhe, Entspannung, und weniger Druck.

Ein ausgewogenes Hormonyoga denkt das Nervensystem immer mit. Und hilft dem Körper, aus der Dysbalance wieder in die hormonelle Balance zu finden. 

Was hilft wirklich bei hormoneller Dysbalance?

Was wirklich hilft, ist, sich das System als Ganzes zu betrachten und zu schauen, wo es Unterstützung braucht. Und da geht es selten “nur” um eine hormonelle Dysbalance. 

Sondern man stößt unweigerlich auf das Thema Stress, und beim Thema Stress auf das Nervensystem. 

Was sind die “magischen” Zutaten? 

Erstens, Stress runterfahren.

Zweitens, dem Nervensystem wieder mehr Sicherheit geben. 

Drittens, die Hormondrüsen gezielt unterstützen.

Deshalb gehören zu einem ganzheitlichen Ansatz nicht nur aktive Übungen, sondern auch Ruhe, Entspannung und Regulation.

Woran erkenne ich gutes Hormonyoga? 

Zu einem modernen, ganzheitlichen Hormonyoga gehören unbedingt Übungen, die Stress reduzieren und das Nervensystem regulieren, also Entspannungsübungen, beruhigende Atemtechniken und Vagusnerv-Aktivierungsübungen. 

Dann ist es nebensächlich, ob das Hormonyoga auf Hatha Yoga, Kundalini Yoga oder Yin Yoga aufbaut. Auch die klassische Hormonyoga-Übungsreihe nach Dinah Rodrigues ist weiterhin richtig gut, wenn zusätzlich Entspannungs-Elemente angeboten werden.

Hormonyoga – perfekt für die Perimenopause

Vielen Frauen geht es ähnlich wie mir und sie stolpern erst dann über das Thema Hormone, wenn der Körper beginnt, sich zu verändern. Wie das in der Perimenopause der Fall ist.

Die Perimenopause klopft nun einmal an, egal ob man sie einlädt oder nicht. Und wie jede Veränderung ist sie ein Übergang, der mehr oder weniger bewusst gelebt werden kann. 

Hormonyoga in der Perimenopause — also ein Yoga, das das Hormonsystem unterstützt — kann ein perfekter Einstieg ins Yoga sein. Denn gutes Hormonyoga ist sanft, bedacht und nährend. Definitiv anfängergeeignet.

Und weit weg von Zirkusyoga.

Für mich persönlich war Hormonyoga letztlich ein Einstieg in etwas Größeres.

In die Frage, wie wir gut durch Veränderungen gehen können.

Schlafstörungen. Zyklusveränderungen. Bauchschwabbel. Das Gefühl, sich selbst nicht mehr ganz wiederzuerkennen.

Wie wir lernen, unseren Körper zu unterstützen, wenn nicht mehr alles so einfach läuft. Lernen, ihm zuzuhören.

Wie wir lernen, selbst auf die Bremse zu steigen, den Druck rauszunehmen.

Und wie wir vielleicht ein bisschen freundlicher mit uns selbst werden.

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