Bei uns ist gerade Sommerbetrieb.
Dieses Frühjahr hatte ich Marie Kondo’s Buch in der Hand. Ich hatte schon lange von ihr gehört, vom berühmten Satz, ob etwas ein Glücksgefühl auslöst (“Does it spark joy?”). Und nun rief mich dieses Buch. Der Inhalt war schnell überflogen, ein paar Notizen gemacht, und dann kam es wieder zur Seite. Ich hatte keine Lust, ALLES durchzugehen, was ich besitze, oder mir die Mühe anzutun, zum Beispiel alle Bücher meines Lebens auf einen Stapel zu schaffen und diesen durchzusortieren. Aber etwas blieb.
Und nun, da der Sommer in großen Schritten auf uns zueilt und wir endlich ein paar Regentage hatten, wollte ich doch einmal gröber ausmisten. Denn im Sommer herrscht bei uns Sommerbetrieb.
Sommerbetrieb – was ist das?
Sommerbetrieb ist, wenn nur das Nötigste herumsteht und der Aufwand im Haus gering gehalten wird. Wo in der kalten Jahreszeit Teppiche die Füße warm halten, sind sie im Sommer aus dem Weg geräumt, denn Teppiche sind aufwändiger zu reinigen als glatte Böden.
Denn Sommer heißt bei uns, so viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen. Das Leben draußen zu genießen. In der Natur. Im Wald. Auf den Bergen. In den Seen. Oder vielleicht am Meer.
Sommer heißt, so viel wie möglich Wärme und Schatten ohne ein künstliches Dach über dem Kopf. Rausgehen. Auftanken. Innehalten.
Und was wäre, wenn immer Sommerbetrieb wäre
So kam meine neue Idee zustande: Sommerbetrieb – das ganze Jahr lang.
Nicht im Sinne von ewigen Ferien. Sondern im Sinne von weniger. Weniger Dinge. Weniger Aufwand. Weniger Hin und Her.
Mehr Zeit für das, was draußen wartet. Mehr Luft. Mehr Weite. Mehr Leichtigkeit.
Wenn die Ordnung im Haus bleibt, sodass immer so wenig wie möglich zu tun ist und es trotzdem sauber ist. Freundlich. Einladend. Nicht überfüllt und dennoch warm und gemütlich.
Wenn die Dinge, die schon zehnmal hin und her geschoben wurden, endlich in die Schenkbox wandern, damit sie ein passendes Zuhause finden.
Und wie soll das gehen
Das geht nur, wenn jedes Ding seinen Platz hat, bin ich draufgekommen. Denjenigen unter euch, denen das sowieso klar ist, wird es vielleicht merkwürdig vorkommen, dass ich das schreibe. Aber genau so ist es. Denn manchmal fehlen bei hunderten von Tipps die wichtigsten, die offensichtlichsten.
Jedes Ding an seinen Platz
Und so findet jedes Ding einen Platz, seinen Platz, und wird dann immer wieder nur dorthin zurückgebracht.
Dann dauert Aufräumen nicht unendlich lang und trennt sich endlich vom Saubermachen. Das sagt auch Marie Kondo ganz klar: Aufräumen (tidying up) und Putzen (cleaning) sind zwei unterschiedliche Tätigkeiten.
Und während ich mit Putzen kein Problem habe, ist mir Aufräumen bisher weniger gelungen. Vielleicht auch, weil ich selbst lange nach meinem Platz gesucht habe.
